Am 20. Januar 2026 fand in Stettin der dritte deutsch-polnische Wissens- und Erfahrungsaustausch im Rahmen des MORO-Modellprojektes „Dialogprozess zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes im deutsch-polnischen Grenzgebiet“ statt. Knapp 25 Expertinnen und Experten aus Raumordnung, Wasser- und Forstwirtschaft, Natur- und Umweltschutz sowie Kommunalverwaltung folgten der Einladung zum Thema „Raumbedeutsame Planungen an der Unteren Oder – Grenzüberschreitende Abstimmungsbedarfe und Kooperationspotenziale“.
Zum Einstieg wurde der Entwurf des „Gemeinsamen Zukunftskonzepts für den deutsch-polnischen Verflechtungsraum – Vision 2050“ (GZK 2050) durch das Regionalbüro für Raumplanung der Wojewodschaft Westpommern (RBGP WZ) vorgestellt. Ein besonderes Augenmerk galt dabei den Schnittmengen zum Thema Wasser und Landschaftswasserhaushalt.

Leszek Jastrzębski, Direktor / Dyrektor RBGP WZ w Szczecinie

Leszek Jastrzębski, Direktor des RBGP WZ, bei der Vorstellung der Arbeiten am GZK 2050.
Foto © Julita Miłosz-Augustowska, RBGP WZ

Die anschließende Werkstattphase diente dazu, raumbedeutsame Planungen mit möglichen Auswirkungen auf den Landschaftswasserhaushalt im deutsch-polnischen Verflechtungsraum zu identifizieren und entsprechende Abstimmungsbedarfe zu erörtern. Kurze Beiträge zur Umsetzung der Stromregelungskonzeption an der Unteren Oder aus polnischer und deutscher Perspektive, vom Nationalpark Unteres Odertal sowie zur Förderung des Wasserrückhalts in grenzüberschreitenden Teileinzugsgebieten (Ueckermünder Heide/Puszcza Wkrzańska) lieferten Anstöße für einen intensiven Austausch. Ergänzt wurde die Debatte um die Herausforderungen und Potenziale in der Siedlungswasserwirtschaft, insbesondere mit Blick auf die zu schnelle Ableitung von Siedlungsabwässern.

Im Anschluss wurde den Teilnehmenden ein Überblick zu bestehenden deutsch-polnischen, Abstimmungsgremien präsentiert. Es wurde diskutiert, inwieweit diese sich für grenzüberschreitende Abstimmungen zu Fragen des Landschaftswasserhaushalts eignen. Die Deutsch-Polnische Grenzgewässerkommission wurde dabei genauer beleuchtet.

Im Austausch zeigte sich, dass für die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts vor allem dann grenzüberschreitende Abstimmungsbedarfe notwendig sind, wenn gemeinsame Teileinzugsgebiete von Maßnahmen betroffen sind, wie z.B. in der Ueckermünder Heide/Puszcza Wkrzańska. Hier haben Entwicklungen auf der einen Seite der Grenze direkte Auswirkungen auf Wasserstände auf der anderen Seite. Es bestand Konsens, dass auch Aktivitäten an Flussbett, Ufer und den angrenzenden Auengebieten der Grenz-Oder bilateraler Abstimmung und Kooperation bedürfen. Auf den regionalen Landschaftswasserhaushalt haben die dort aktuell in Umsetzung und Planung befindlichen Maßnahmen nach Einschätzung der Experten jedoch keine gravierenden Auswirkungen. Allerdings lassen viele Einflussfaktoren, darunter die Auswirkungen des Klimawandels, nicht genau abschätzen. Ein Monitoring und stetiger Austausch sind daher von großer Bedeutung. Die Vielzahl existierender deutsch-polnischer Gremien signalisiert bereits den großen Bedarf an Informationsflüssen auf dem Gebiet des Wassermanagements zwischen beiden Ländern. Für die bilaterale Abstimmung konkreter Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts seien sie i.d.R. jedoch nicht geeignet. Hier bleibe die direkte Verbindung zu den Expertinnen und Experten in den jeweils zuständigen Behörden der Schlüssel zum Erfolg, zusammen mit dem Zugang zu relevanten Daten sowie dem persönlichen Kontakt in die betroffenen Regionen. Die Überwindung der Sprachbarriere sei dabei zentral; gemeinsam entwickelte Projektvorhaben entsprechend sinnvoll.

Mit dieser Veranstaltung endete die Reihe der deutsch-polnischen Workshops im Rahmen des MORO-Modellprojektes. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen sowohl in das „Gemeinsame Zukunftskonzept für den deutsch-polnischen Verflechtungsraum – Vision 2050“ als auch in das übergeordnete MORO-Forschungsprojekt „Grenzüber-schreitende Synergien von Raumordnung und Wasserwirtschaft im Einzugsgebiet der Oder“ ein. Alle Teilnehmenden wurden zudem eingeladen, die gewonnenen Einblicke und Kontakte in ihrem jeweiligen Arbeitskontext zu nutzen und weiterzuentwickeln, um die Zusammenarbeit und Kommunikation zur Stabilisierung des Landschaftswasser-haushalts im Einzugsgebiet der Oder auch über den Projektrahmen hinaus weiter zu fördern und zu verstetigen. Die Erkenntnisse der Workshops sowie der fortlaufenden MORO-Projektaktivitäten werden im Sommer 2027 noch einmal in einer deutsch-polnischen Abschlusskonferenz reflektiert.

Workshopprogramm

Workshopdokumentation

Workshopprogramm

Präsentationen

Mehr Informationen: 

MORO-Projekt „Dialogprozess zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes im deutsch-polnischen Grenzgebiet (Regionen Uckermark-Barnim und Zachodniopomorskie)“

Text: Theresa Schiller, Regionale Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim – Regionale Planungsstelle
Titelfoto: Grzegorz Załoga, Pro Lingua
Foto im Text: Julita Miłosz-Augustowska, RBGP WZ